Das Königlich Bayerische 2. Schwere Reiterregiment

„Erzherzog Franz Ferdinant von Österreich-Este“

 (Quelle Das K.B. 2. Kürassier und Schwere Reiterregiment von Major a.D. Dr. Eugen von Frauenholz +)

Am 26. März 1813 wurde die Stammtruppe des Regiments, das NationalChevaulegerRegiment, als eine Landwehrformation aus lauter Freiwilligen aufgestellt. Am 12. August 1813 erklärte sich das Regiment, das nur zum Dienst innerhalb der Landesgrenzen verpflichtet war, freiwillig bereit, auch außerhalb dieser Grenzen zu kämpfen. Am 28. Oktober erhielt das Regiment bei einer Attacke gegen französische Infanterie vor Hanau unter seinem Kommandeur, dem Major Freiherrn von Podewils, die Feuertaufe.

Im Feldzug von 1813/14 nahm das Regiment an den Schlachten von Brienne, von Dannemarie, von Bar sur Aube und Arcis sur Aube, sowie am Vormarsch auf Paris teil.

Die Notwendigkeit, schwere Schlachtenreiterei zu schaffen, führte zur Umwandlung des Regiments am 23. März 1815 in das 1. KürassierRegiment.

(Das Bild zeigt einen Bayerische Kürassier um 1870)

1823 wurde Prinz Johann von Sachsen Oberstinhaber des Regiments. Seit 1825 erhielt das Regiment als zweite Garnison Freising, ein Teil des Regiments blieb in Landshut. Nachdem Prinz Johann von Sachsen 1846 das 15. InfanterieRegiment erhielt, wurde Seine Königliche Hoheit Prinz Adalbert von Bayern zum Inhaber des 1. Kürassierregiments ernannt.

Im Jahre 1866 rückte das Regiment unter seinem Kommandeur, Oberstleutnant Graf Tattenbach, ins Feld. Am 4. Juli kam das Regiment bei Hünefeld zum erstenmal ins Feuer. In die schmähliche Panik des Kavalleriekorps in der Nacht zum 5. Juli bei Gersfeld wurde nur der Regimentsstab und eine halbe Eskadron hineingerissen. Die übrigen Eskadrons waren bei der Vorhut oder detachiert.

Am 26, Juli gelang es der Kürassierbrigade, die Scharte von Gersfeld wieder auszuwetzen. Bei den Hettstädter Höfen attackierten das 1. und 2. KürassierRegiment im ersten Treffen der Schweren Brigade die preußische Brigade des Obersten Krug von Nidda und warfen sie gegen den Tänningwald zurück. Dank der Kürassierausrüstung waren die Verluste bei der Attacke gering. Diese Attacke war die letzte kriegerische Handlung zwischen Preußen und Bayern. Am 5. September zog das Regiment wieder in Landshut ein und marschierte 1870 unter Oberst Baumüller bereits wieder aus. Die bayerische Kürassierbrigade unterstand dem I. Bayerischen Korps. Nach der Schlacht von Sedan wurde die Kürassierbrigade auf die Meldung hin, die Franzosen seien durchgebrochen, zur Attacke bereitgestellt. Die Meldung erwies sich als falsch, die geplante Attacke unterblieb. Am 9. Oktober trat die Brigade wieder in den Verband der 4. Kavalleriedivision ein. Am 10. Oktober konnte die 4. Eskadron des Regiments bei Artenay unter Leutnant Freiherrn von Redwitz I. französische Infanterie erfolgreich attackieren und eine Anzahl Gefangene einbringen.

Nach Einsätzen bei Villepion, Patay, LoignyPoupry, der zweiten Einnahme von Orleons sowie bei Meung und BeaugencyCravant wurde das Regiment der Zernierungsarmee von Paril zugeteilt. An der Kaiserproklamation nahm die Standarte des Regiments teil. Am 19. Juli 1871 rückte das Regiment, festlich begrüßt, in Landshut ein.

Die folgenden Jahre standen unter dem Zeichen der gemeinsamen Ausbildung der gesamten deutschen Armee. Der Modernisierung fiel der alte Name "Kürassiere" zum Opfer. Das Regiment erhielt nun den Namen "2. Schweres Reiter Regiment". 1876 wurden Karabiner, 1889 hölzerne Lanzen und 1890 Stahlrohrlanzen eingeführt. Nur der Kürassierpallasch und die Streifenhose erinnerten noch an die Kürassiertradition des Regiments.

(Das Unteroffizierkorps einer Schwadron vor ihrem Unterkunftsgebäude in Landshut)

1875 betrauerte das Regiment den Tod seines hohen Inhabers, Seine Königliche Hoheit Prinz Adalbert von Bayern. 1877 wurde seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Kronprinz Erzherzog Rudolf von Österreich zum Inhaber ernannt. Zehn Jahre nach dessen Tod im Jahre 1889 übernahm der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von ÖsterreichEste am 23. Mai 1899 die Inhaberschaft des Regiments. Der Sohn des früheren Regimentsinhabers, S. K. H. Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern, stand seit 1877 a la suite des Regiments.

Obwohl Landshut Garnison blieb, war bis zum Jahre 1887 eine Eskadron des Regiments in Nymphenburg bei München, dem Wohnsitz des Regimentsinhabers Seine Königliche Hoheit Prinz Adalbert, detachiert.

                                        

Den I. Weltkrieg machte das Regiment durchweg im Verband der Bayerischen KavallerieDivision mit, eine der wenigen Divisionen, die bis zum Ende des Krieges beritten blieb. Am 5. August 1914 wurde das Regiment unter seinem Kommandeur Major Frhr. von Eyb bei Bensdorf in Lothringen ausgeladen. Es begann eine unbef riedigende Verwendung gegenüber dem dichten französischen Grenzschutz. Die französische Kavallerie stellte sich nirgends zum Reiterkampf, sondern versuchte immer wieder, die deutsche Reiterei in das Feuer der Sperrforts zu locken. Am 9. August kam das Regiment zum erstenmal geschlossen ins Feuer. Die Tätigkeit beschränkte sich jedoch hauptsächlich auf Aufklärung, wobei das Regiment sehr gute Resultate einbrachte. Am 30. September wurde es in Peltre bei Metz verladen und an den rechten Heeresflügel nach Belgien geführt. Lille wurde genommen und unter fortgesetzten Kämpfen stieß das Regiment bis nach Ypern vor. Besonders heftig wurde am 9. Oktober bei Borre, am 12. Oktober bei NeufBerquin, vom 21. Oktober an bei Werwicy und vom 4. November an bei Gheluvelt gekämpft.

(Prinz Alfons als Brigadekommandeur mit seinem Stabe während eines Manövers beim Königlich Bayerische 2. Schweren Reiterregiment)

Nach einer zweimonatigen Ruhephase kam das Regiment ab 20. Januar 1915 wiederum in Lothringen zum Einsatz. Den Kämpfen im Graben bei Maizeray und Monsec folgte am 31. März die Verlegung nach Kurland und Litauen, wo es zunächst im Raum Wirrballen Quartier bezog, da Schneeschmelze Kavallerieoperationen verhinderte. Am 20. April setzt sich die KavallerieDivision nach Tilsit in Marsch. Am 26. April durchstieß sie den russischen Grenzschutz bei Skirstymon und erreichte am nächsten Tag das Gebiet von Rossienie. Am 28. April griff sie bei Kielmy von der Seite her rückmarschierende russische Kolonnen an. Die 3. Eskadron erstürmte den Ort Czuchinski, die 5. den Hof Zwilgie. Am nächsten Tag wurde zur überholenden Verfolgung gegen Szawle angesetzt. Am 30. April stieß die Division dort in den Rücken der Russen und der Vorstoß ging weiter auf

Scadow. Danach wurde vor überlegenen russischen Kräften die deutsche Kavallerie an die Dubissa zurückgenommen. Der Zweck des Vorstosses war erreicht. Gegen die schwachen deutschen Linien aber traten nun überlegene russische Heeresteile an. In dünner Aufstellung wurde in den kommenden Wochen die Stellung gehalten. Das Regiment konnte alles in allem 160 Schützen aufstellen, womit es die Front von 2000 Metern zu besetzen hatte. Als am 28. Mai die Russen ernsthaft angriffen, gelang es ihnen, die vorderste Stellung zu überrennen, allerdings wich das Regiment nicht zurück und hielt in blutigen Kämpfen dem Angriff stand.

Am 5. Juni stieß das Regiment über den bisherigen Abschnitt hinaus vor. Die Russen zogen ab, und die bayerische Kavalleriedivision folgte nun bis Citowiany. Hier nahm das Regiment vom 11. Juni bis zum 22. Juli eine weit ausgedehnte Stellung ein. Nachdem die Kavallerie, auf Wilna vorgehend, erneut in Rücken und Flanke der zurückmarschierenden Russen stieß, mußten anschließend feindliche Gegenstöße am Miadziolsee, bei Orpa, Dolbinow, Kurty und Turly abgewehrt werden. Die Gefechtsstärken waren zu diesem Zeitpunkt stark zusammengeschmolzen. Das Kriegstagebuch des Regiments weist am 30. September als Gefechtsstärken aus: bei der 2. Eskadron 24 Reiter (darunter 6 Lanzenreiter), bei der 3. Eskadron 56 und bei der 5. Eskadron 67 Reiter.

Während die Kavallerie vorne standhielt, wurde einige Kilometer rückwärts die Winterstellung festgelegt. Am 20. Oktober wurde das Regiment in seine Stellung an der Komaika südlich Widsy zurückgenommen. Die Stellung wurde nun ausgebaut. Die bald einsetzende strenge Kälte verhinderte jede kriegerische Betätigung. Vom 14. bis zum 30. März 1916 griffen die Russen in der NaroczSeeOffensive die Stellungen des Regiments erfolglos an, wobei die Schneeschmelze die Operation des Regiments erheblich erschwerte.

Am 7. Juli 1916 erhielt es erneut Marschbefehl. Die Brussilow Offensive hatte ein Loch in die österreichische Front gerissen. Die Stellung wurde vom Styr an den Stochod zurückverlegt, wo das Regiment zusammen mit den übrigen Regimentern der Bayerischen KavallerieDivision die wiederholten Angriffe der Russen zurückwies. Die Schützen des Regiments verloren hier 70 % ihrer Gefechtsstärke, aber die Stellung wurde gehalten.

Ab Juli 1917 wurde das Regiment bei Stanislau eingesetzt. Es war beim Vormarsch auf Kolmea beteiligt und dann bei den Kämpfen um Kozman, Komionka, Oberwikow sowie in Galazien und Ungarn.

Am 24. November bezog es im Raum Bukarest Winterquartier, wo es bis März 1918 blieb. Nachdem am 7. März 1918 mit Rumänien Frieden geschlossen worden war, ging die Bayerische Kavalleriedivision zusammen mit rumänischen Truppenteilen gegen Bolschewisten in Südrüßland vor. über Odessa marschierte das Regiment auf die Krim; Fedosia und Kertsch wurden besetzt. Im Juni verlegte das Regiment nach Wolhynien, um von Tokari und Ssumy aus das Land vor den Bolschewisten zu schützen. Mitte September wurde der Bezirk Lebjedin dem Regiment zur Aufrechterhaltung der Ordnung überwiesen.

                                     

Hier blieb das Regiment bis zum Ende des Krieges, das für die Bayerische Kavalleriedivision später als für die meisten anderen deutschen Truppenteile kain, da die Kämpfe mit den Bolschewisten bis in das Jahr 1.919 dauerten.

Die Revolution brachte für das Regiment keine Ändering. Abgesehen von ganz wenigen unrühmlichen Ausnahmen, standen die Reiter treu zu ihren Führern. "Wir brauchen keine Soldatenräte, wir haben unsere Offiziere", wurde von den Eskadrons der Aufforderung der Obersten Heeresleitung, Soldatenräte zu wählen, erwidert. Am 11. November, dem Tag nach dem Bekanntwerden der Revolution in Deutschland, konnte der Brigadekommandeur Oberst von Schultes in das Kriegstagebuch der 1. Kavalleriebrigade eintragen: "Stimmung beim 2. Schweren Reiter Regiment ausgezeichnet; keinerlei Anzeichen von Insubordination." Und so blieb es bis zum Ende. Eine Reihe von Kämpfen war jedoch noch zu bestehen, in denen unter anderen der Leutnant von Faber, und als Letzter des Regiments am 13. Januar 1919 der Gefreite Mitgefaller der M.G.Eskadron fielen. In einer dreiwöchigen Fahrt durch das vom Feind besetzte Gebiet erreichte das Regiment Deutschland. Am 2. Februar 1919 zog das Regiment in tadelloser Ordnung, an der Spitze sein letzter Kommandeur, Seine Königliche Hoheit Major Prinz Konrad von Bayern, in Landshut ein. Am 6. Februar 1919 würde das Regiment im Rahmen der Demobilisierung aufgelöst.

Das Regiment kann mit Stolz von sich sagen, daß es sich selbst bis zu seiner letzten Stunde treu geblieben ist.

Die gewaltige Zahl von fünftausend alten Kürassieren und Schweren Reitern, die sich am 3., 4. und 5. September 1921 in Landshut zusammenfand, um das hundertjährige Jubiläum noch nachträglich festlich zu begehen, zeigte, daß der Geist der Zusammengehörigkeit im Regiment erhalten geblieben war.

Im Jahre 1967 übernahm das Panzerbataillon 244, das schon seit seiner Murnauer Zeit enge Beziehungen zu den Schweren Reitern hatte, die Traditionspflege für das 2. Schwere Reiter Regiment.

 

 

( Überreichen der Erinnerungsurkunde

zum  20-jährigen Bestehen der Traditionspflege

 von OTL Kowalski an den 89-jährigen Max

Ziegenaus beim Sommerbiwak 1987 )