Infanterieregiment 62

Seit 1981 hatte das Panzerbataillon 244 die Traditionspflege für das ehemalige Infanterieregiment 62 übernommen. Nach dem Königlich Bayerischen 2. Schweren Reiter Regiment wurde das Infanterieregiment 62 bis 1945 das "Landshuter Hausregiment".

Zum Aufstellungstermin 15.10.1935, als drittes Regiment der Münchener 7. Infanteriedivision, zog das niederbayerischen "Bauernregiment" in die zum Teil noch nicht fertigen Bauten der neuen Landshuter Kaserne. Sie erhielt den Namen "Schochkaserne" in Würdigung der Verdienste des Generals Albert von Schoch, der als Kommandeur der 1. Bayerischen Infanteriedivision im ersten Weltkrieg mit dem Bayerischen MilitärMaxJosephRitterOrden ausgezeichnet worden war.

Unter Führung von Oberst Georg lang, dem ersten Kommandeur des Infanterieregiments 62 und späterem "Vater" des Regiments, wurden in Landshut folgende Truppenteile aufgestellt und stationiert

 I. und II. Bataillon mit je 3 Schützenkompanien, eine MGKompanie und der Bataillonsstab

 13. (InfanterieGeschütz) Kompanie

 14. (Panzerabwehr) Kompanie

 RegimentsNachrichtenzug

 Regimentsreiterzug

 Regimentsmusik

 Regimentsstab

Die Friedensjahre

1935

Das Regiment wird aus Teilen des III./Infanterieregiment 20 (Passau), des Ausbildungsbataillons Infanterieregiment 19 (Landshut) und des Infanterieregiments 20 (Regensburg) aufgestellt.

Ab 1. Oktober 1935 führt es die offizielle Bezeichnung "Infanterieregiment 62" und begeht am 15.10.1935 seine Gründungsfeier.

Der Dienst im ersten Jahr des Regiments ist geprägt von Unterführerausbildung, einem Truppenübungsplatzaufenthalt in Grafenwöhr und einem Manöver im Raum Regensburg.

Die 6. und 8. Kompanie sind Versuchstruppenteile für leichte und schwere MG-Einheiten. Ende Oktober 1935 rücken die ersten Rekruten des Jahrgangs 1914 ein.

1936

Höhepunkt der Ausbildung ist ein Truppenübungsplatzaufenthalt in Münsingen. Im August kommen die 2. und 3. Kompanie des I. Bataillons von Passau nach Landshut. Nach der Herbstübung bei Würzburg wird dem Regiment im Rahmen einer Parade in Giebelstadt die Truppenfahne überreicht.

Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Oktober hat die Einberufung der Geburtsjahrgänge 1913/1914 zur Folge.

1937

Das Regiment führt Gefechtsschießen in der näheren Umgebung durch. Für die Aufstellung neuer Verbände muss Personal nach Lindau, Friedberg und Deggendorf abgegeben werden. Im August nimmt das Regiment an einem Divisionsmanöver in der nördlichen Oberpfalz teil.

Ausgerüstet ist das Regiment zu diesem Zeitpunkt mit Karabiner 98 und dem MG 34; die MGKompanie wird umgerüstet auf schweres MG 34 und schwere Granatwerfer.

1938

Die Schützenkompanien werden mit einem leichten Granatenwerfer ausgerüstet. Anstelle des schweren Tornisters wird das Sturmgepäck eingeführt.

Am 13. März ist das Regiment beim Einmarsch in Österreich beteiligt und kehrt anschließend in die Garnison zurück. Im Sommer verlegt das Regiment auf den Truppenübungsplatz Jüterborg. Nach der Bereitstellung des Regiments im Raum FreyungWolfsteinMauth marschiert das Regiment am 1. Oktober im Sudetenland ein, wo es bis in das Gebiet Wintertberg vorstößt. Ende Oktober kehrt das Regiment zurück. Danach wird das III. Bataillon an das Infanterieregiment 85 abgegeben.

1939

Am 1. Mai wird der neu eingeführte "Tag der Wehrmacht" begangen. Im Juni übt das Bataillon auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Im August verlegt das Regiment kriegsmäßig in den Bereitstellungsraum um Rokera, Stadkov und Cadea in den Beskiden, um anschließend im Polenfeldzug eingesetzt zu werden.

                                        

Die Kriegsjahre

Der Polenfeldzug ab 1. September 1939 fordert vom Regiment verlustreiche Kämpfe beim Einsatz am Jablunka Pass (Westkarpaten) und führt die "62er" bis vor Lemberg. Bereits Anfang Oktober 1939 wird das Regiment nach Westen verlegt, zunächst in Quartiere im Raum Mönchengladbach.

Am 10. Mai, 1940 nimmt es an den Feldzügen durch Holland, Belgien und Frankreich teil, wobei es zu verlustreichen Kämpfen an der Maas, am Albert

Kanal, an der Dyle, an der Scheilde und bei Lille kommt. Insgesamt marschiert das Regiment während der Einsätze im Westfeldzug etwa 2250 km. Ende Juli liegt das Infanterieregiment 62 im Raum St. Omer bei Calais. Ausbildung und Übungen für Seelandeunternehmen zur Vorbereitung der Operation "Seelöwe", einer geplanten Landung in England, sind in vollem Gange, als Anfang April 1941 der Befehl zum Transport nach Osten beim Regiment eingeht.

Sind bis dahin die Feldzüge erfolgreich geführt worden, fordert der Rußlandfeldzug dem Regiment in kräftezehrenden Gefechten die letzten Reserven ab.Das Regiment gelangt noch bis vor Moskau, ehe die langwierigen und verlustreichen Rückzugsgefechte beginnen.

Am 8. Mai 1945 kapituliert das Regiment am Brückenkopf des russischen Haffs.

Hunderte deutscher Soldaten haben im Infanterieregiment 62 vorbildlich ihre Pflicht erfüllt. Viele wurden verwundet, sind gefallen oder blieben vermisst.

 

"Der alte Geist des Regiments lebt"

Diese Worte des letzten Kommandeurs des Regiments, Oberst a.D. Hans Schmidt, erfuhren beim ersten Treffen der ehemaligen Angehörigen des Regiments am 17. Mai 1952 ihre Bestätigung. Seit diesem Zeitpunkt halten die ehemaligen Angehörigen des Regiments treue Verbundenheit in der Erinnerung an gemeinsam erlebte schwere Zeit.

Ihr mahnendes Opfer in unserem Bewusstsein wach zu erhalten, um aus diesen Erfahrungen heraus zukünftig unseren Blick und unsere gestaltende Kraft zur Verhinderung von Krieg einzusetzen, ist Sinn unserer Traditionspflege mit den Angehörigen des ehemaligen Infanterieregiments 62

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